Warum Finanzinvestoren doppelt so häufig akquirieren wie operative Unternehmen

In vielen Verkaufsprozessen bieten strategische Käufer gegen Private-Equity-Fonds, Beteiligungsgesellschaften und Investmentfirmen. Unsere Auswertung von mehr als 1,6 Mio. erfassten Akquisitionen zeigt, wie viel Gewicht diese Gruppe hat: Finanzinvestoren stellen 19 % der Käufer, verantworten aber 36 % aller erfassten Akquisitionen.
Im Durchschnitt tätigt ein Finanzinvestor damit etwa doppelt so viele Zukäufe wie ein operativ tätiges Unternehmen. Für Corporate-M&A-Teams ist vor allem relevant, warum das so ist und welche Teile dieses Modells sich realistisch übertragen lassen. Dieser Artikel basiert auf Kapitel 4 unseres Industry Reports M&A als System.
Dieser Artikel greift ein Kapitel heraus. Der vollständige Report beleuchtet zusätzlich die Rolle der Finanzinvestoren, die geografischen Hotspots des M&A-Marktes, den Ausblick auf das nächste Jahr und die Einschätzungen von sechs M&A-Fachleuten. Für mehr Insights laden Sie den Report M&A als System hier kostenlos herunter.
In diesem Artikel erfahren Sie:
- Warum die Aktivitätslücke stärker an der Organisation liegt als am verfügbaren Kapital
- Wie Finanzinvestoren die Ausgangslage im Bieterverfahren verändern
- Wo M&A-Fachleute uneins sind, wie weit Strategen dem PE-Modell folgen sollten
- Wie ein einseitiges Kriterienblatt Entscheidungen über eingehende Opportunitäten beschleunigt
Die Kapitalmarkt-Lücke in Zahlen
Finanzinvestoren im Datensatz
| Kennzahl | Finanzinvestoren |
|---|---|
| Anteil an allen Käufern | 19 % |
| Anteil an allen erfassten Akquisitionen | 36 % |
| Zukäufe pro Unternehmen im Vergleich zu operativen Unternehmen | Etwa das Doppelte |
Finanzinvestoren, Beteiligungsgesellschaften und Investmentfirmen machen nicht einmal ein Fünftel aller Käufer aus, auf sie entfällt jedoch mehr als ein Drittel aller erfassten Akquisitionen. Ein Hinweis zur Methodik: Die Zuordnung als Finanzinvestor erfolgt anhand der Branchenklassifikation des Käufers (Capital Markets), nicht anhand der Art der einzelnen Transaktion. Der Anteil ist daher als Näherung zu verstehen.
Struktur, nicht Kapital, erklärt den Unterschied
Die Differenz ist weniger eine Frage der besseren Investitionsentscheidung als eine Folge unterschiedlicher organisatorischer Voraussetzungen. Für Finanzinvestoren ist der Erwerb von Unternehmen Kerngeschäft. Für operative Unternehmen ist er in der Regel eine zusätzliche strategische Aufgabe neben dem Tagesgeschäft. Was im operativen Unternehmen häufig als einzelnes Projekt organisiert werden muss, ist beim Finanzinvestor Regelbetrieb.
Wie M&A typischerweise organisiert ist
| Element | Finanzinvestoren | Viele operative Unternehmen |
|---|---|---|
| Team | Dediziertes Deal-Team | Projektteam je Transaktion |
| Akquisitionskriterien | Definierte Investitionskriterien | Meinungsbildung von Fall zu Fall |
| Target-Pipeline | Kontinuierlich gepflegt | Entsteht oft erst mit dem Anruf eines Beraters |
| Prozess | Teil des Regelbetriebs | Als Einzelprojekt organisiert |
Dirk Sachse, Geschäftsführender Gesellschafter bei CFN Corporate Finance Nord, verweist auf einen weiteren strukturellen Vorteil, der sich in den Aktivitätszahlen nicht abbildet:
„Der Finanzinvestor hat nicht das operative Integrationsrisiko in der Post-Merger-Phase, was für ihn die Wahrscheinlichkeit, dass die Transaktion letztlich erfolgreich ist, erhöht.“ Dirk Sachse, Geschäftsführender Gesellschafter, CFN Corporate Finance Nord
Zwei Konsequenzen für strategische Käufer
Wettbewerb um Targets
In vielen Prozessen treffen strategische Käufer auf Finanzinvestoren, deren Organisation konsequent auf den Erwerb von Unternehmen ausgerichtet ist. Kürzere Entscheidungswege, etablierte Prozesse und eine andere Bewertungslogik verändern die Ausgangslage im Bieterverfahren. Wer sich erst mit einem Target beschäftigt, wenn der Verkaufsprozess läuft, startet mit einem strukturellen Nachteil.
Die eigene M&A-Organisation
Unterschiede in der Akquisitionshäufigkeit hängen an den Strukturen dahinter: klar definierte Akquisitionskriterien, eindeutige Verantwortlichkeiten und eine Target-Pipeline, die kontinuierlich entwickelt wird. Dafür muss ein operatives Unternehmen nicht wie ein Finanzinvestor aufgestellt sein. Entscheidend ist, jene Strukturen zu etablieren, die aus M&A ein systematisch einsetzbares strategisches Instrument machen.
„Operative Käufer sollten nicht versuchen, Private Equity zu spielen. Sie sollten aber die Transaktionsdisziplin von Private Equity übernehmen.“ Daniel Funk, CEO & Co-Founder, CVT Partner
Wie weit sollten Strategen dem PE-Modell folgen?
Bei der Ursache sind sich die sechs befragten Fachleute weitgehend einig: Ressourcen, Prozess-Know-how und Managementkapazität statt Kapital. Bei den Konsequenzen zeigen sich drei Positionen.
Drei Positionen aus den Experteninterviews
| Position | Experte | Kernaussage |
|---|---|---|
| Routine | Christian Muschick, Managing Partner, Navigator Group | Strategen sind oft unroutiniert und können deshalb nicht den gleichen Durchsatz bewältigen |
| Rolle | Dirk Sachse, Geschäftsführender Gesellschafter, CFN Corporate Finance Nord | Operative Käufer können Professionalität lernen, kommen in der Breite aber nicht an die M&A-Intensität eines Finanzinvestors heran |
| Geschäftsbereich | Hendrik Rathje, Partner, Möhrle Happ Luther | M&A als eigenen Geschäftsbereich aufbauen, so wie man einen strategischen Vertrieb aufbaut |
Die drei Positionen schließen sich nicht aus. Sie beschreiben unterschiedliche Ambitionsniveaus, und die Frage ist weniger, wer recht hat, als welches Niveau für das eigene Unternehmen realistisch ist.
Starten Sie mit einer Seite Akquisitionskriterien
Die Empfehlung des Reports für operative Unternehmen ist pragmatisch: Definieren Sie klare Kriterien, bevor Sie Targets identifizieren. Finanzinvestoren haben das standardmäßig, die meisten operativen Käufer nicht. Eine Seite genügt:
- Zielgrößen-Korridor (Umsatz oder EBITDA)
- Relevante Regionen und Teilmärkte
- Drei Muss-Kriterien und drei Ausschlusskriterien
- Die Obergrenze, die Sie zu zahlen bereit sind
Woran Sie merken, dass es wirkt: Die nächste eingehende Opportunität ist innerhalb von fünf Arbeitstagen gegen dieses Blatt geprüft, statt dass intern erst eine Meinung gebildet werden muss. Kriterien sind allerdings nur so gut wie das Wissen darüber, was im eigenen Segment überhaupt existiert. Ein vollständiger Marktüberblick über potenzielle Targets macht aus dem Kriterienblatt eine belastbare Suchlogik statt einer Wunschliste.
Den vollständigen Industry Report herunterladen
Der vollständige Report ordnet diese Ergebnisse ein: wer den M&A-Markt prägt, wo die Käufer sitzen, was die Fachleute sagen und was im nächsten Jahr zu erwarten ist. Für mehr Insights laden Sie den Report M&A als System hier kostenlos herunter.

Häufig gestellte Fragen
Welchen Anteil an M&A-Transaktionen haben Finanzinvestoren?+
Im StrategyBridgeAI-Datensatz mit mehr als 1,6 Mio. erfassten Akquisitionen verantworten Finanzinvestoren 36 % aller Akquisitionen, obwohl sie nur 19 % der Käufer stellen.
Warum akquirieren Private-Equity-Gesellschaften häufiger als Strategen?+
Vor allem wegen ihrer Organisation. Unternehmenserwerb ist ihr Kerngeschäft, mit dedizierten Teams, definierten Investitionskriterien, etablierten Prozessen und kontinuierlich gepflegten Target-Pipelines. Zudem tragen sie nach dem Closing nicht das operative Integrationsrisiko.
Sollten strategische Käufer das Private-Equity-Modell kopieren?+
Nicht eins zu eins. Die für den Report befragten Fachleute empfehlen, die Transaktionsdisziplin von PE zu übernehmen, etwa definierte Kriterien, klare Verantwortlichkeiten und eine kontinuierliche Pipeline, ohne selbst zum Finanzinvestor zu werden.
Was gehört in ein Kriterienblatt für Akquisitionen?+
Ein Zielgrößen-Korridor nach Umsatz oder EBITDA, relevante Regionen und Teilmärkte, drei Muss-Kriterien, drei Ausschlusskriterien und die Preisobergrenze. Eine Seite genügt.
Wie werden Finanzinvestoren im Report M&A als System definiert?+
Anhand der Branchenklassifikation des Käufers (Capital Markets), nicht anhand der Art der einzelnen Transaktion. Der ausgewiesene Anteil ist daher eine Näherung.
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